Definition und Ursprung
Der Begriff Metapher geht auf das griechische metaphorá für „Übertragung“ zurück. Als rhetorische und poetische Stilfigur verbindet sie zwei Vorstellungsbereiche, ohne den Vergleich ausdrücklich mit Wörtern wie „wie“ oder „als“ zu formulieren.
So kann eine Ursache als „Quelle“ bezeichnet werden. Der Ausdruck stammt dann aus einem konkreten Erfahrungsbereich, verweist im Satz aber auf einen abstrakten Zusammenhang. Metaphern verdichten dadurch Bedeutung und regen zur Vorstellung oder Deutung an.
In der antiken Rhetorik wurde die Metapher häufig als verkürzter Vergleich beschrieben. In der Praxis lässt sie sich jedoch nicht immer eindeutig von verwandten Formen wie Symbol, Allegorie, Chiffre, Metonymie oder Personifikation abgrenzen.
Formen der Metapher
Metaphern begegnen uns in der Alltagssprache, in Sachtexten, in Werbung und besonders häufig in literarischen Texten. Je nach Verwendungsweise und Wirkung lassen sich verschiedene Gruppen unterscheiden.
Unbewusste und konventionalisierte Metaphern
Viele Metaphern werden so selbstverständlich verwendet, dass ihr Bildcharakter kaum noch auffällt. Solche verblassten oder „toten“ Metaphern leben etwa in Redensarten und festen Wendungen weiter. Auch Bezeichnungen wie „Buchrücken“ oder „Flussarm“ sind notwendige Übertragungen, für die sich im allgemeinen Sprachgebrauch kein völlig unabhängiges Wort durchgesetzt hat.
Neue technische und gesellschaftliche Entwicklungen bringen ebenfalls neue Metaphern hervor. Sie helfen, Unbekanntes mithilfe vertrauter Bilder zu benennen. Euphemistische Metaphern wiederum umschreiben belastende oder unangenehme Sachverhalte; ihre Wirkung hängt stark vom jeweiligen Zusammenhang ab.
Bewusste Metaphern
Bewusst eingesetzte Metaphern verfolgen eine erkennbare sprachliche, poetische, argumentative oder werbliche Absicht. Sie können einen Gedanken anschaulich machen, eine Haltung nahelegen oder die Aufmerksamkeit auf einen Zusammenhang lenken. In politischen und kommerziellen Texten ist deshalb wichtig zu prüfen, welche Bewertung ein Bild neben seiner sachlichen Information vermittelt.
Metaphern in der Literatur
In Literatur und insbesondere in der Lyrik erweitern Metaphern die Ausdrucksmöglichkeiten der Sprache. Sie verbinden Wahrnehmungen, Gefühle und Gedanken, die sich nicht ohne Weiteres in nüchterne Begriffe übersetzen lassen. Auch in Prosa und Drama können sie Figuren charakterisieren, Motive verknüpfen oder die Perspektive eines Textes prägen.
Eine Metapher muss dabei nicht auf eine einzige Erklärung festgelegt werden. Gerade in moderner Lyrik können offene Bilder mehrere Deutungen zulassen. Die Aufgabe der Interpretation besteht dann weniger darin, eine endgültige Übersetzung zu liefern, als die Beziehungen zwischen Bild, Kontext, Klang und Handlung nachvollziehbar zu machen.
Wie lässt sich eine Metapher untersuchen?
Für die Analyse hilft ein schrittweises Vorgehen:
- Den bildhaften Ausdruck im Satz oder Gedicht genau markieren.
- Die wörtliche Bedeutung und den ursprünglichen Vorstellungsbereich bestimmen.
- Fragen, auf welchen Sachverhalt das Bild übertragen wird.
- Kontext, Ton, Wiederholungen und benachbarte Bilder berücksichtigen.
- Prüfen, welche Wirkung und welche möglichen Deutungen entstehen.