Der Begriff Landschaft bezeichnet in der Weltliteratur ein wichtiges Motiv. Gemeint ist nicht allein Natur, sondern eine durch Kultur und Ästhetik geprägte Wahrnehmung. Besonders im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde Landschaft zu einer eigenständigen ästhetischen Kategorie.

Geistesgeschichtliche Einordnung

Das Erstarken der Naturwissenschaften veränderte das Selbstverständnis des Menschen. Natur erschien zunehmend als Gegenstand menschlicher Erkenntnis und Gestaltung. Zugleich wurde sie als kulturell und ästhetisch erfahrbarer Raum neu beschrieben.

An die Stelle einer ausschließlich zweckbezogenen Betrachtung traten Kategorien wie das Schöne und das Erhabene. Der Anspruch des prodesse, also des Nützens, wurde durch das delectare, das Erfreuen, ergänzt. Landschaft konnte damit zum Gegenstand kontemplativer und literarischer Erfahrung werden.

Locus amoenus und locus terribilis

Literarische Landschaften bewegen sich häufig zwischen zwei Polen. Der locus amoenus steht für einen angenehmen, geordneten und idealisierten Ort. Der locus terribilis dagegen verweist auf Unwirtlichkeit, Gefahr und die überwältigende Macht der Natur.

Im 18. Jahrhundert wurden beide Formen neu bewertet. Die arkadische Idylle konnte als Gegenbild zur Zivilisation dienen, während wilde oder bedrohliche Landschaften als ästhetisch eindrucksvoll erfahrbar wurden. Daraus entwickelte sich die moderne Vorstellung des Erhabenen.

Das Erhabene

Das Erhabene bezeichnet keine feste Eigenschaft eines Gegenstandes, sondern eine Wirkung auf den betrachtenden Menschen. Weite, Dunkelheit, Höhe oder Naturgewalt können ein Gefühl auslösen, in dem Furcht und Bewunderung zusammentreffen.

In der Ästhetik des 18. Jahrhunderts wurde das Erhabene zunehmend vom Schönen unterschieden. Bei Immanuel Kant entsteht es dort, wo die Einbildungskraft an ihre Grenzen gelangt und der Mensch zugleich seine geistige Freiheit erfährt. Landschaft wird so zum Anlass einer inneren Bewegung.

„Zurück zur Natur“

Die Naturvorstellungen von Jean-Jacques Rousseau verbinden Landschaft mit Zivilisationskritik. Die unberührte Natur erscheint als Gegenbild zu gesellschaftlichen Zwängen und als Möglichkeit, zu einem verlorenen Gefühl von Freiheit zurückzufinden.

In den autobiographischen Schriften Rousseaus wird der Spaziergang zu einer Form der Selbstbeobachtung. Die Landschaft dient dabei nicht bloß als Kulisse, sondern als Auslöser für Erinnerung, Imagination und Reflexion.

„Natürlichkeit“ als Ziel der Kunst

Auch die Gartenkunst griff diese Vorstellungen auf. Christian Cay Lorenz Hirschfeld entwickelte in seiner 1775 erschienenen Theorie der Gartenkunst die Idee, Natur durch Gestaltung so zu formen, dass sie weiterhin natürlich wirkt. Gartenkunst sollte Natur und Kultur miteinander vermitteln.

Mit dieser Vermittlung verband sich ein aufklärerischer Bildungsanspruch. Die Erfahrung einer schön gestalteten Landschaft sollte Empfindung, Urteilskraft und moralische Bildung fördern. Ästhetik erhielt damit eine gesellschaftliche und erzieherische Bedeutung.

Schiller und die Gartenkunst

Friedrich Schiller beschrieb in seiner Auseinandersetzung mit der Gartenkunst zwei Extreme: den streng geordneten französischen Garten und den scheinbar regellosen englischen Garten. Der ideale Garten sollte weder bloße Berechnung noch ungeformte Freiheit darstellen.

Schiller suchte einen vermittelnden Weg, der Auge, Gefühl und Verstand zugleich anspricht. Diese Verbindung entspricht seinem Gedanken der ästhetischen Erziehung: Der ästhetische Zustand vermittelt zwischen Sinnlichkeit und Vernunft und kann dadurch zur Humanität führen.

Sekundärliteratur

  • Albes, Claudia: Der Spaziergang als Erzählmodell. Tübingen / Basel 1999.
  • Alt, Peter-André: Aufklärung. Stuttgart / Weimar 2001.
  • Blumenberg, Hans: Die Genesis der kopernikanischen Welt. Frankfurt am Main 1975.
  • Duchhardt, Heinz: Europa am Vorabend der Moderne. 1650–1800. Stuttgart 2003.
  • Höffe, Otfried: Kants Kritik der reinen Vernunft. München 2003.
  • Kant, Immanuel: Kritik der Urteilskraft. In: Werke in sechs Bänden, Bd. 5. Darmstadt 1998.
  • Rousseau, Jean-Jacques: Träumereien eines einsamen Spaziergängers. München / Wien 1978.
  • Schiller, Friedrich: Über die ästhetische Erziehung des Menschen. Weimar 1962.