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Literarischer Grundbegriff

Motiv

Ein Motiv ist ein wiederkehrender inhaltlicher Baustein literarischer Werke. Es verbindet Situationen, Figuren oder Bilder mit einem Thema und kann dadurch die Handlung strukturieren.

Was ist ein Motiv?

In der Literatur bezeichnet ein Motiv ein bewusst gestaltetes, inhaltlich bestimmbares und häufig situationsgebundenes Element eines Werkes. Es kann innerhalb eines Textes wiederkehren und dabei Beziehungen zwischen Figuren, Räumen, Zeiten oder Ereignissen sichtbar machen.

Ein Motiv ist nicht mit dem gesamten Plot gleichzusetzen. Es bietet vielmehr einen Ansatz für die Handlung und trägt dazu bei, ein Thema erzählerisch konkret werden zu lassen. Der Begriff geht auf das lateinische movere – „bewegen“ – zurück; im allgemeinen Sprachgebrauch meint ein Motiv daher auch einen Beweggrund.

Aufgeschlagenes Buch neben einem Fenster mit Blick auf den Mond
Wiederkehrende Bilder und Situationen können in einem Werk motivische Funktionen übernehmen.

Definition und Funktion

Motive lassen sich thematisch beschreiben und in unterschiedlichen Werken in vergleichbarer Form beobachten. Beispiele sind die unerwartete Heimkehr, der Doppelgänger, die Reise, das Geheimnis oder die feindlich gegenüberstehenden Geschwister. Ihre Bedeutung entsteht jeweils aus dem konkreten Zusammenhang des Werkes.

Eine allgemeingültige Definition für alle literarischen Traditionen gibt es nicht. Was als Motiv erkannt wird, hängt auch von Gattung, Epoche, kulturellem Gedächtnis und Interpretation ab. Entscheidend ist, dass das Element für die Gestaltung oder Wahrnehmung eines Textes mehr leistet als eine bloße Einzelheit.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Das Motiv bildet einen Baustein des Stoffes. Es ist konkreter als ein weit gefasstes Thema, aber weniger anschaulich als ein Symbol oder ein Bild. Bei Figuren kann sich ein Motiv mit einem Typus überschneiden.

Die Grenzen bleiben fließend: Eifersucht kann als Thema auftreten, der eifersüchtige Ehepartner als Typus und die Situation des betrogenen Gatten als Motiv. Erst die Analyse des jeweiligen Textes zeigt, welche Funktion die Kategorien übernehmen.

Zentralmotiv und Leitmotiv

Als Zentralmotiv wird ein Kernmotiv bezeichnet, das einen großen Teil des Textes prägt. Ein Randmotiv oder Nebenmotiv besitzt dagegen eher eine ergänzende oder ausschmückende Funktion.

Ein Leitmotiv kehrt in markanter Form wieder und ordnet das Erzählte. Es kann eine wiederholte Aussage, ein Gegenstand, ein Bild oder eine thematische Einheit sein. Durch solche Wiederholungen lassen sich etwa Entwicklungen von Figuren oder Veränderungen in der Handlung hervorheben. Die Erforschung der Entstehung und Entwicklung literarischer Motive wird als Motivgeschichte bezeichnet.

Das Register

Motive von A bis Z

Eine Auswahl wiederkehrender Figuren, Situationen, Orte und Vorstellungen aus der Literatur.

A

Abenteuer · Arkadien · Abgrund · Amazone

B

Brunnen · Buch · Bürgerlicher Habitus

D

Diener · Doppelgänger · Duell

F

Familiengeheimnis · Fernweh · Findling · Freundschaftsbeweis

G

Geheimnis · Generationenkonflikt · Geschwisterkonflikt · Grenze

H

Heimkehr · heimliche Heirat · Hexe · Hochstapler

I–L

Irrfahrt · Landschaft · Liebesnacht · Lorelei

M–P

Mond · Marionette · Meer · Prophezeiung · Pferd

R–S

Reise · Rivale · Ruinen · Schatten · Stadt

T–U

Traum · Tyrannenmord · Utopia · Unterweltsbesuch

V–W

Verführer · verlassene Frau · Vision · Wucherer

Z

Zeitreise · Zufall

Vertiefung

Sekundärliteratur

  • Daemmrich, Horst S. und Ingrid G.: Themen und Motive in der Literatur. Stuttgart, UTB, 1995.
  • Frenzel, Elisabeth: Motive der Weltliteratur. Stuttgart, Alfred Kröner Verlag, 1997.
  • Seibert, Ernst: Themen, Stoffe und Motive in der Literatur für Kinder und Jugendliche. Stuttgart, UTB, 2008.

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