Leben und Schreiben
Peter Bichsel wurde am 24. März 1935 in Luzern geboren und wuchs ab 1941 in Olten auf. Nach dem Lehrerseminar in Solothurn arbeitete er von 1955 bis 1968 als Lehrer. Später unterrichtete er Deutsch an der Kunstgewerbeschule Zürich und nahm an einer Berliner Schreibwerkstatt des Literarischen Colloquiums teil.
Sein literarischer Rang gründet vor allem auf einer konzentrierten, lakonischen Kurzprosa. Bichsel richtet den Blick auf unscheinbare Situationen und alltägliche Figuren. Dabei werden Einsamkeit, Unsicherheit und die Schwierigkeiten menschlicher Verständigung sichtbar, ohne dass seine Texte ihre ruhige Oberfläche verlieren.
Der Durchbruch mit kurzen Geschichten
Mit dem Band Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen wurde Bichsel 1964 einem breiten Publikum bekannt. Die kurzen Erzählungen verbinden sprachliche Einfachheit mit einer vieldeutigen Darstellung des Alltags. Gerade die Begrenzung der Form schafft Raum für Fragen nach Wahrnehmung, Gewohnheit und dem Wunsch nach Veränderung.
Diese Erzählhaltung prägt auch Kindergeschichten, Der Busant und Zur Stadt Paris. Die Texte untersuchen, wie Menschen an festen Vorstellungen, sprachlichen Grenzen oder einer undurchschaubaren Umgebung festhalten. Das Komische und das Beunruhigende liegen dabei oft dicht beieinander.
Roman, Essays und Kolumnen
Seinen einzigen Roman, Die Jahreszeiten, veröffentlichte Bichsel 1967. Er beschäftigt sich darin mit dem Erzählen von Lebensläufen und mit der Frage, wie Wirklichkeit durch Sprache geordnet wird. Seine besonderen Stärken liegen jedoch weiterhin in der kurzen Prosa und im essayistischen Schreiben.
Über viele Jahre schrieb Bichsel Kolumnen über Literatur, Kultur und Politik. Prägnanz, Skepsis und genaue Beobachtung verbinden diese Texte mit seinen Erzählungen. Zusammen bilden sie eine literarische Chronik des täglichen Lebens und seiner Widersprüche.
Einordnung
Bichsels Werk steht für eine Literatur der kleinen Form. Seine Texte verzichten auf ausladende Erklärungen und nehmen gerade dadurch scheinbar nebensächliche Momente ernst. Sprache wird bei ihm nicht nur zum Mittel des Erzählens, sondern selbst zum Gegenstand der Beobachtung.
Zu seinen Auszeichnungen zählen unter anderem der Preis der Gruppe 47, der Johann-Peter-Hebel-Preis, der Charles-Veillon-Essaypreis und der Ehrendoktortitel der Universität Basel. Peter Bichsel lebt in der Schweiz.