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Buchmenschen · Porträt

Sybille Bedford: Schreiben zwischen Welten.

Die deutsch-britische Schriftstellerin verband autobiografisches Erzählen, Reisebericht und genaue Beobachtung. Ihr Leben führte sie von Berlin und Südfrankreich über das Exil bis nach London.

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Aufgeschlagenes Buch neben Notizpapier und Lesebrille
Ein Leben, geprägt von Ortswechseln, Sprachen und literarischer Beobachtung.

Biografie

Leben und Schreiben

Ein Weg durch Exil, Freundschaften und literarische Formen.

Sybille Bedford wurde am 16. März 1911 in Berlin als Freiin Sybille Aleid Elsa von Schoenebeck geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie zunächst im Breisgau und später in unterschiedlichen europäischen Lebenswelten. Die frühen Erfahrungen von Trennung, Zugehörigkeit und Ortswechseln wurden zu einem wichtigen Stoff ihres späteren Schreibens.

Als junge Frau lebte Bedford unter anderem an der französischen Mittelmeerküste. In Sanary-sur-Mer begegnete sie Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die dort lebten oder vor dem Nationalsozialismus Zuflucht gesucht hatten. Besonders prägend war ihre Freundschaft mit Aldous und Maria Huxley sowie der Kontakt zu Klaus und Erika Mann.

1933 veröffentlichte sie in Klaus Manns Exilzeitschrift Die Sammlung einen politischen Beitrag. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war ihre Rückkehr nach Deutschland nicht mehr möglich. Ihre erste Autobiografie, Rückkehr nach Sanary. Roman einer Jugend, verarbeitet die Erinnerungen an Kindheit und Jugend; Treibsand widmet sich später erneut den Erfahrungen von Exil und Familie.

Nach ihrer Emigration in die Vereinigten Staaten und einer Reise durch Mexiko fand Bedford über den Reisebericht zur literarischen Arbeit. Zu Besuch bei Don Ottavio erschien 1953. Danach schrieb sie Romane, Reportagen, Reisebücher und eine Biografie über Aldous Huxley. Ihre Texte verbinden erzählerische Genauigkeit mit historischer und gesellschaftlicher Beobachtung.

Bedford berichtete 1961 über den Frankfurter Auschwitz-Prozess. 1979 ließ sie sich dauerhaft in London nieder. Sie starb dort am 17. Februar 2006. Seit 1935 besaß sie die britische Staatsbürgerschaft.

Literarisches Profil

Bedfords Werk bewegt sich zwischen Erinnerung, Recherche und erzählender Darstellung. Autobiografische Bücher wie Jigsaw und Quicksands machen persönliche Erfahrungen zum Ausgangspunkt einer europäischen Kulturgeschichte. Ihre Gerichts- und Reiseberichte zeigen zugleich ihr Interesse an Sprache, Recht und sozialen Zusammenhängen.

Zeitleiste

Stationen eines bewegten Lebens

Orte und Wendepunkte, die Bedfords Schreiben geprägt haben.

Berlin

Geburt als Sybille von Schoenebeck in Berlin.

Exil und Schreiben

Ein politischer Beitrag erscheint in Klaus Manns Exilzeitschrift Die Sammlung.

Amerika und Mexiko

Emigration nach Kalifornien und später eine längere Reise durch Mexiko.

Erstes Buch

Zu Besuch bei Don Ottavio macht ihre Reisebeobachtungen literarisch zugänglich.

Gerichtsreportage

Bedford berichtet über den Frankfurter Auschwitz-Prozess.

London

Sie lebt dauerhaft in London und arbeitet weiter an Romanen, Erinnerungen und Essays.

Bibliografie

Werke in Auswahl

Reise, Erinnerung, Roman und Reportage.

  • The Sudden View. A Mexican Journey (1953), deutsch: Zu Besuch bei Don Ottavio
  • A Legacy (1956), deutsch: Das Legat
  • The Faces of Justice (1961), ein Reise- und Gerichtsbericht
  • A Favourite of the Gods (1963)
  • A Compass Error (1968), deutsch: Kursabweichung
  • Aldous Huxley. A Biography (1973)
  • Jigsaw. An Unsentimental Education (1989), deutsch: Rückkehr nach Sanary
  • Quicksands. A Memoir (2005), deutsch: Treibsand

Auszeichnungen

  • 1964: Fellow of the Royal Society of Literature
  • 1981: Officer of the Order of the British Empire
  • 1989: Nominierung für den Booker Prize für Jigsaw
  • 1994: Companion of Literature der Royal Society of Literature

Einordnung

Vom persönlichen Erinnern zur europäischen Geschichte

Bedfords Bücher zeigen, wie individuelle Lebenswege mit Exil, politischen Umbrüchen und literarischen Netzwerken verbunden sind.

  1. 01Kindheit und Jugend liefern den autobiografischen Ausgangspunkt.
  2. 02Exil und Reisen erweitern den Blick über nationale Grenzen hinaus.
  3. 03Reportagen verbinden persönliche Wahrnehmung mit genauer Recherche.
  4. 04Spätere Erinnerungsbücher prüfen Vergangenheit aus zeitlicher Distanz.

Im Literaturportal weiterlesen

Bücher und Notizen als Sinnbild für literarische Recherche
Literatur bewahrt persönliche Spuren und macht historische Zusammenhänge lesbar.

Häufige Fragen

Bedford kompakt

Antworten zu Leben, Werk und Einordnung der Schriftstellerin.

Wer war Sybille Bedford?

Sybille Bedford war eine deutsch-britische Schriftstellerin und Journalistin, die Romane, Reiseberichte, autobiografische Bücher und Gerichtsreportagen schrieb.

Wofür ist Bedford besonders bekannt?

Bekannt ist sie unter anderem für Zu Besuch bei Don Ottavio, Rückkehr nach Sanary, Jigsaw und Treibsand.

Welche Rolle spielte das Exil in ihrem Leben?

Als Tochter einer jüdischen Mutter konnte Bedford nach 1933 nicht nach Deutschland zurückkehren. Exil und europäische Ortswechsel prägten ihr Leben und ihr Schreiben.

Hat Sybille Bedford über Gerichtsprozesse geschrieben?

Ja. Sie verfasste Gerichtsreportagen und berichtete 1961 über den Frankfurter Auschwitz-Prozess.

Welche Auszeichnung erhielt sie 1981?

1981 wurde Bedford zum Officer of the Order of the British Empire ernannt.

Wann starb Sybille Bedford?

Sie starb am 17. Februar 2006 in London.