Kurzporträt
Ein Leben zwischen Geschichte und Erfindung
Wichtige Stationen eines Autors, der die Grenzen zwischen Roman, Chronik und politischer Reflexion offen hielt.
José de Sousa Saramago wurde am 16. November 1922 in Azinhaga geboren und wuchs überwiegend in Lissabon auf. Die wirtschaftlichen Verhältnisse seiner Familie verhinderten ein Universitätsstudium. Stattdessen erlernte er den Beruf des Mechanikers und erschloss sich Literatur weitgehend autodidaktisch.
Nach seinem ersten Roman Land der Sühne von 1947 veröffentlichte Saramago lange Zeit keine neue fiktionale Prosa. Er arbeitete als Übersetzer, Redakteur und Journalist. In den 1960er und 1970er Jahren erschienen Gedichte, Chroniken und politische Texte; nach der Nelkenrevolution wandte er sich endgültig der freien Schriftstellerei zu.
Mit Hoffnung im Alentejo (1980) und Das Memorial (1982) gelang ihm der internationale Durchbruch. Seine Romane stellen historische Überlieferungen infrage, geben marginalisierten Figuren Raum und verbinden genaue Beobachtung mit spekulativen Situationen.
1992 zog Saramago mit seiner Frau Pilar del Río nach Lanzarote. Dort entstanden weitere zentrale Werke. 1998 erhielt er als erster portugiesischsprachiger Autor den Nobelpreis für Literatur. Er starb am 18. Juni 2010.
Die biografischen Angaben folgen dem überlieferten Lebenslauf und den im Archiv dokumentierten Werkstationen.